Der Gooden - Historischer Hintergrund

Seit etwa dem 9. Jahrhundert wurde auf dem Platz um den Goten Gericht gehalten.

Wohl unter freiem Himmel trafen sich einmal im Jahr alle" die einen eigenen Rauch hatten" also ein eigenes Haus besaßen um mit dem Richter, Vogt oder Amtmann alle Rechtsangelegenheiten des Dorfes zu regeln. Anfang des 13. Jahrhunderts ist ein steinernes Haus in den Urkunden belegt. Der Jährliche Gerichtstag ist wohl ab diesem Zeitpunkt zum ständigen Gericht, dem Zentgericht, geworden. Dieser Name hat nichts mit dem Zehnt, der Steuerabgabe, zu tun sondern er leitet sich von Zentrum ab. Denn Königshofen war der Gerichtsstand für 26 umliegende Gemeinden, Weiler und Höfe. Hier wurden alle Strafsachen unter Aufsicht des jeweiligen Vogtes verhandelt und entschieden. Nur Todesurteile mussten in Mainz oder Würzburg, je nach gerade aktuellen Herrschaftsverhältnissen, bestätigt werden.

Natürlich wurde dieses Haus mehrfach umgebaut und erweitert so dass bis etwa 1495 die Stadtmauer, der Goten, die Heuböden, der Zehnthof und die Zehntscheune eine bauliche Einheit bildeten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hieß dieses Gebäude der Goode. Das Wort stammt aus dem Altfränkischen "Gaden" und bezeichnet ein Lager und Wehrgebäude. 1646 am Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde der Kellereingang erweitert damit die Handelsüblichen Weinfässer besser in das Gewölbe gerollt werden konnten. Das könnte bedeuten, dass der Weinzehnt trotz Krieg reichlich floss.

1746 wurden in den Räumen des Goodens die letzten Todesurteile ausgesprochen. Betroffen war ein Knecht aus Unterbalbach der es zum Hauptmann einer Odenwälder Räuberbande gebracht hatte und sein Spion aus Beckstein. Bis nach Würzburg hat diese Bande ihr Unwesen getrieben und muss wohl eine arge Plage gewesen sein. Der Bischof von Würzburg hat diese Bande in einer, wir würden heute sagen Ringfahndung, auf Königshöfer Gemarkung dingfest gemacht. Die DLRG Königshofen hat dieses Thema anlässlich der 1250 Jahrfeier in einem Theaterstück. Bearbeitet. 1803 war es dann, durch die Neuordnung Napoleons vorbei mit dem Zentgericht. Nach 1850 hatte der Fürst zu Leiningen keinen Bedarf mehr am Goode und dem Zehnthof da der Zehnt durch die Geldsteuer ersetzt worden war. So gelangte der ganze Zehntkomplex in Privatbesitz und verfiel mehr und mehr. 1906 wollte die Gemeinde den gesamten Komplex aufkaufen und abreißen. Zum Glück gab es damals schon einen großherzoglichen Konservator der der Gemeinde verbot dieses" Stück Geschichte aus früheren Jahrhunderten" wie er sich ausdrückte auch nur im Geringsten zu verändern. Es müsse noch genau überlegt werden was im Zusammenhang mit dem Schulerweiterungsbau zu tun sei. Den Königshöfem dauerte das alles zu lange. In einer Nacht und Nebelaktion rissen sie die Zehntböden zwischen Zehntscheune und Goten ein. Nur einer schnellen Polizeiaktion ist es zu verdanken, dass der Goten nicht der Spitzhacke zum Opfer fiel.

Der Erste Weltkrieg brachte andere Sorgen und Probleme. In dieser Zeit waren allem Anschein nach einige Kriegsgefangene im Goten untergebracht die in Königshofen zur Feldarbeit eingesetzt wurden. 1925 kam der Goten wieder in die politischen Schlagzeilen. Das Badische Finanzministerium stellte 2000 Mark zur Sanierung des Goodens zur Verfügung, jedoch sollte der gleiche Betrag von der Gemeinde aufgebracht werden. Der Gemeinderat war einstimmig dagegen. Endlich 1927 auf Drängen aller politischen Kräfte vom Landrat bis zum Ministerpräsidenten des Landes wurde die Sanierung des Goodens vom Gemeinderat genehmigt.

Die Osterkämpfe 1945 ließen den Goten weitestgehend unbeschädigt so dass er als Notunterkunft für Ausgebombte Königshöfer Familien dienen konnte.
Seit rund 30 Jahren nutzt die DLRG Königshofen nun dieses Gebäude. Aus ganz bescheidenen Anfängen hat sich ein Vereinsheim entwickelt das den vielfachen Aktivitäten der DLRG Königshofen Rechnung trägt. Noch vor 10 Jahren war man mit einem Gruppenraum, einer Toilette und einer Mini-Küche hoch zufrieden. Eine wachsende und aktivere Jugendgruppe und ein immer größer werdender Schulungsbedarf erzwangen den Ausbau des oberen Stockwerkes. Mit einer Eigenleistung von über 3000 Stunden wurde 1997 das obere Stockwerk zweckmäßig und optisch ansprechend ausgebaut. Weitere Bautätigkeiten im Küchen und Sanitärbereich wurden zwei Jahre später umgesetzt.

Sollte dieser Bericht Ihr Interesse geweckt haben so besuchen Sie uns doch einmal während der Messewoche. Sie finden mit Sicherheit einen DLRG'ler der Ihnen mit Stolz und Begeisterung noch mehr über" sein Vereinsheim" dem Goode erzählen kann.